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Ein "Sinn"-loses bayerisches Gespräch

„Wenn ich Sie jetzt richtig verstanden habe, hoffe ich, dass ich Sie falsch verstanden habe. Können Sie das Ganze noch einmal wiederholen?“


  „Aber gerne doch. Wir wollen, dass dieser neunmalkluge Knirps einen schönen Preis bekommt, eine bunte Urkunde für sein Kinderzimmerbettchen und die hoch wissenschaftliche Bestätigung, dass er seine Aufgabe als gelöst betrachten soll.“

„Sie verlangen da von mir, dass ich einen Wettbewerbsteilnehmer auf den Thron setzen soll, obwohl er sein Forschungsthema nicht zu Ende gebracht hat?“

„Genau! Wo ist da das Problem?“

„Das Problem liegt da vergraben, dass die Aktion ‚Jugend forscht’ unseren Nachwuchs dahingehend erziehen will, eine Sache zu Ende zu bringen. Preise gibt es da nur für fertige Sachen und nicht für wilden Gedankenwust.“

„Mag sein. Aber besondere Situationen erfordern auch besondere Lösungen, oder verstehen Sie das nicht?“

 

„Ich bin ja nicht blöde. Allerdings verstehe ich nicht, wo hier eine besondere Situation ist. Ein – wie sagten Sie? – neunmalkluger Knirps hat eine verrückte Idee, werkelt mit jugendlichem Eifer daran herum, stellt fest, dass es keine Lösung gibt – zumindest für ihn – und schmeißt den ganzen Kram hin. Wird bei uns nicht einmal zur Wertung zugelassen. Sagen Sie mal, Sie sind nicht zufällig verwandt oder verschwägert mit dem Balg?“


„Keine Spur. Es geht auch nicht wirklich um den Knaben, sondern um sein Forschungsthema.“


„Ich bin im Moment nicht ganz im Bilde.“


„Dieser asoziale Jungterrorist hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Sinn der bayerischen Schulpolitik zu erforschen.“


„Ach was? Keine Bange, das ist eine schöne Lebensaufgabe. Das haben schon ganz andere versucht.“


„Weiß ich. Aber bei ‚Jugend forscht’ haben wir die Presse im Nacken. Nicht auszudenken, was da passieren kann.“


„Wieso? Die suchen doch auch vergeblich.“


„So soll es auch bleiben. Und sparen sie sich Ihren Sarkasmus. Wir müssen verhindern, dass der Bengel weiter macht.“


„Warum?“


„Er könnte dahinter kommen.“


„Hinter was?“


„Dass es keinen gibt.“


„Keinen was gibt?


„Mann, sind sie penetrant. Dass es keinen Sinn gibt.“


„In der bayerischen Schulpolitik?“


„Hören Sie! Ich kann auch anders. Immerhin kommen die Fördergelder von meinem Ministerium.“


„Na schön. Ich werde sehen, was ich tun kann, Herr Kultusminister.“


© 2011 Erwin Grab

   
© Erwin Grab