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CSU gibt auf!

Die Behauptung, die CSU sei eine patriarchalisch geführte Partei, der es nur um den Machterhalt und der damit einhergehenden Verteilung einträglicher Posten und Pfründe gehe, ist schlichtweg falsch.


Berichte aus eingeweihten Kreisen lassen erkennen, dass sich auch die CSU ihres demokratischen Auftrags bewusst ist, und ständig bemüht ist, diesen nicht nur auszuführen, sondern auch eine ebensolche Gesinnung an den Tag zu legen. Schwierig für eine Regierungsfirma, die Wahlen eigentlich nur abhält, weil es die Verfassung (auch die bayerische) einfach vorschreibt. Genau die letzten Wahlergebnisse in den umliegenden feindlichen Bundesländern sind es, die Horst Seehofer nicht nur die Sorgenfalten ins Gesicht treibt, sondern auch sein Haupthaar noch mehr ergrauen lässt. 


Aus sicherer Quelle wurde uns folgendes „Frühstücks-Gespräch“ des Ministerpräsidenten mit seiner Ehefrau Karin übermittelt:
(Pardon: Dies Gespräch ist natürlich erstunken und erlogen. Wie die Presse halt so ist.)

„Karin, so kann es nicht weitergehen!“

„Wieso? Die Eier waren genau drei Minuten im Wasser!“

„Das meine ich doch nicht! Mir liegt ganz was anderes im Magen!“

„Warst du wieder bei Angela Merkel zum Rummeckern?“

„Treib mich nicht zum Wahnsinn. Ich rede nicht über unwichtige Frauen, sondern über das Schicksal der Nation.“

„Welcher Nation?“

„Der bayerischen natürlich. Die andere ist mir wurscht. Die wollen mich ja nicht. Sollen sie also zusehen, wie sie ohne mich klar kommen.“

„Aber es läuft doch alles recht gut. Das Volk ist zufrieden, und das ist doch das Wichtigste.“

„Nur vordergründig, liebste Karin, nur vordergründig. Aber in Wirklichkeit gärt es an allen Ecken. Frauen haben dafür kein Gespür. Da braucht es lange Erfahrung.“

„Aber du hast doch haushoch gewonnen!“

„Eben. Und genau das ist ja das Problem.“

„Verstehe ich nicht. Du wolltest sie doch gewinnen, oder etwa nicht?“

„Natürlich wollte ich sie gewinnen. Aber nicht so.“

„Wie denn dann, wenn nicht so?“

„Wie meinst du das, nicht so?“

„Du hast doch gesagt, nicht so!“

„Nicht so? Ach so, ja. Also so wollte ich sie nicht gewinnen.“

„Wie denn dann, wenn nicht so?“

„Du treibst mich noch zur Raserei mit Deiner Fragerei!“

„Aber wieso denn? du hast gesagt, du wolltest sie so nicht gewinnen, und ich habe gefragt, wie denn dann. Und bewege den Kopf nicht so ruckartig, sonst muss ich dir die Haare noch mal föhnen.“

„Was haben denn meine Haare mit Politik zu tun?“

„Jede Menge. Aber dafür haben Männer kein Gespür. Willst du mir jetzt endlich sagen, wie du die Wahl gewinnen wolltest?“

„Ich wollte sie halt einfach gewinnen.“

„Na also!“

"Du verstehst mich nicht. Das bayerische Volk ist in den letzten Jahrzehnten etwas lasch geworden. Die wählen uns doch schon aus reiner Gewohnheit. Wahlen sind nur noch reine Formsache und ein Grund für angeregte Stammtischgespräche. Aber eben ohne Überzeugung. Es gilt die alte Devise: 'Liberal sind wir, aber schwarz wählen wir!' – und damit muss endlich Schluss sein!“

„Was spricht gegen eine liberale Gesinnung? Besonders dann, wenn die FDP draußen bleibt?“

„Ja, schon. Aber ich will gewählt werden, weil ich der Bessere bin, und nicht, weil es sich so gehört.“

„Da spricht wieder der alte sportliche Ehrgeiz aus Dir. Recht hast du! Zeig es Ihnen! Mach ihnen klar, wer der Chef ist! Hau mit der Faust auf den Tisch! ...Nein, nicht hier, sonst fällt die Kaffeekanne um, also wirklich!“

„Du kapierst einfach nicht. Aber das ist meine Schuld. Wahrscheinlich drücke ich mich nicht so aus, dass auch DU es verstehst. Das Problem liegt darin, dass hier überhaupt keiner mehr nachdenkt. Die wählen uns einfach. So aus Gewohnheit. Und das widerspricht jeder demokratischen Gesinnung. So nach dem Motto: ‚Geliebt, gelebt, geraucht, gesoffen, und dann auf die bayerische Regierung hoffen’!  Nein, nein, meine liebe Karin, damit muss endlich Schluss sein. Wir machen uns ja zum Gespött der ganzen Welt. Vor kurzem habe ich dem Ministerpräsidenten von – ich weiß nicht mehr woher – gesagt, dass wir Wahlen haben. Lacht der mir doch ins Gesicht und fragt: ‚Ach wirklich? Macht Ihr auch einen richtigen Wahlkampf?’ – da siehst du, wo das hinführt.“

„Und was gedenkst du zu tun? Etwa zur AFD übertreten?“

„Du willst mich wohl erheitern. Ich finde es ja auch ganz in Ordnung, dass wir über die absolute Mehrheit haben. Das wird der Merkel ihr dämliches Grinsen aus dem Gesicht wischen. Nein, es geht mir um die Partei. Mehrere Jahrzehnte die Mehrheit haben – und meistens die absolute Mehrheit – führen unweigerlich zur Dekadenz. Die brauchen nur einen guten Listenplatz und haben ausgesorgt bis an das Ende ihrer Tage. Einschließlich Dienstwagen und mehrerer Aufsichtsratsposten. Da fehlen mir der Kampfgeist und der Idealismus. Die Leute draußen im Lande glauben ja bald, Ministerposten könnten vererbt werden. Herrmann ist genau der gleichen Meinung. Eines seiner Kinder weigert sich angeblich, einen Beruf zu erlernen, weil es ja mal Innenminister wird.“

„Und, hast du schon einen Plan?“

„Natürlich habe ich einen.“

„Und wie sieht der aus?“

„Wir brauchen eine Schaffenspause. Zum regenerieren, verstehst du? Damit alles wieder auf Vordermann kommt; für die nächsten 100 Jahre! Geht natürlich nur mit einer Schocktherapie.“

„Wird nicht leicht sein. Das bayerische Volk zeichnet sich dadurch aus, selbst die größten Katastrophen gelassen hinzunehmen.“

„Diese Katastrophe nicht!“

„Willst du das Oktoberfest verbieten lassen?“

„Das wäre keine Katastrophe, sondern der Niedergang unserer Identität. Vom Umsatz ganz zu schweigen. Nein meine Teuere, ich habe das Gerücht verbreiten lassen, dass Monika Hohlmeier, geborene Strauß die natürliche Nachfolgerin für das Amt des Ministerpräsidenten ist. Die Münchner TZ hat es schon gedruckt. Wenn sie uns dann immer noch wählen, bleibt nur noch ein Ausweg.“

„Und der wäre?“

„Wir machen einen eigenen Staat auf, verkaufen das Verkehrsministerium an Siemens und werden Erste in der nächsten Pisa-Studie! Und außerdem kann sie die italienische Linie durchsetzen.“

„Wer ist sie?“

„Na, die Strauß-Göre natürlich. Die ist ja dann Ministerpräsidentin.“

„Und was ist die italienische Linie?“

„Sie baut die Verfassung so um, dass Beckenbauer nicht in den Knast muss!“

„Und wir? Was passiert mit uns?“

„Weiß nicht. Vielleicht erhebt sie uns in den Adelsstand. Dann könnten wir endlich das nette Wochenendhaus von Ludwig II. in Linderhof übernehmen.“


© 2016 Erwin Grab
                         

   
© Erwin Grab